Kleinstadt • Film

In einem guten Drehbuch steigt man zu einem wirklich spannenden Zeitpunkt in die Handlung ein. Darum kommen wir gleich zum wichtigsten Punkt. Es wird einen zweiten Teil von Kleinstadt geben. Aus diesem Grund haben wir den Regisseur, Produzenten und Drehbuchautor Christian Rabenstein zu einem Interview eingeladen.

Interview mit dem Regisseur

Filmplakat

Design: Doris Manz

CR Magazin: Herr Rabenstein, wir kennen uns schon so lange, ist es Ihnen recht, wenn wir beim vertrauten Du bleiben?

Rabenstein: Sehr gerne.

CR Magazin: Christian, warum ein zweiter Teil?

Christian: Ein zweiter Teil? Sorry, ich glaube, hat sich wohl jemand einen dummen Scherz erlaubt. »Kleinstadt« war eine sehr intensive Erfahrung für mich, aber sie braucht keine Wiederholung.

CR Magazin: Oh, da bringst du mein Konzept jetzt aber ganz schön durcheinander. Wieso braucht es denn keine Wiederholung

Christian: »Kleinstadt« hat keinen Preis gewonnen, war kein Kinoerfolgt und hat keine riesigen Umsätze im DVD Verkauf gebracht. Und das zu Recht, denn meiner Meinung nach ist »Kleinstadt« kein guter Film.

CR Magazin: Nichtsdestotrotz finde ich aber, dass »Kleinstadt« ein Kunststück ist, das es verdient, genauer betrachtet zu werden. Was zeichnet nun das Spielfilmprojekt »Kleinstadt – Dirty Little Secrets?« gegenüber anderen aus?

Christian: Ganz einfach, es ist eine echte No-Budget Produktion.

CR Magazin: Also hattest du für die Produktion wenig Geldmittel zur Verfügung.

Christian: Nein, ich hatte überhaupt keine Geldmittel. Nichts. Null. Niente. Nix. Nada. Weder, dass die Schauspieler eine Gage bekommen hätten, noch dass wir für irgendeinen Drehort oder ein Requisit zahlen hätten können, nicht einmal für Verpflegung war Geld da.

CR Magazin: Einige Hobbyfilmer werden jetzt denken, das ist ja nichts besonderes, die bekommen in der Regel ja auch nichts für ihre Filme.

Christian: Ja, aber da handelt es sich meistens um kleine Produktionen mit einer Handvoll Schauspieler und die Filme sind nur ein paar Minuten lang. »Kleinstadt« aber ist ein richtiger Spielfilm, 74 Minuten Spielzeit, circa 150 Darsteller inklusive Statisten, 36 Drehtage, gedreht wurde in Kapfenberg, Bruck/Mur, St. Pölten, Heiligenkreuz, Obdach, Graz, Zeltweg und Aflenz. Wir hatten einen Bus mit Chauffeur für vier Drehtage, mehrere Hotelzimmer, eine Piano Bar, ein Schuhgeschäft, ein Café, einen Bürogebäudekomplex für zwei Wochenenden, ein Waldstück, wo wir Feuer machen durften, eine Almhütte zum Übernachten, ein Motorrad, einen Oldtimer, eine Tiefgarage und eine Bank. Um nur einige Dinge zu nennen.

CR Magazin: Respekt.

Christian: Danke, aber ich war nicht alleine, bei der Gelegenheit möchte ich mich nochmals bei allen bedanken, die dieses Projekt möglich gemacht haben.

CR Magazin: Wie lange hast du an dem Film gearbeitet?

Christian: Etwa vier Jahre. Die Idee zur Story hatte ich im Februar 2012, mit dem Drehbuch bin ich glaube ich im Juni 2012 fertig geworden, dann habe ich alles für einige Monate ruhen gelassen, und als ich es im November wieder durchlas, hat es mir immer noch so gut gefallen, dass ich beschloss, einen Film, quasi auf eigene Faust, zu produzieren. Ich habe das Projekt über Facebook ausgeschrieben und schon innerhalb von 14 Tagen war ich mit über 70 Personen im Gespräch, die alle – gratis – mitmachen wollten. Im November habe ich auch mit den Castings begonnen und im Juni 2013 war der erste Drehtag.

CR Magazin: Das heißt also, du hast in nur sieben Monaten alles organisiert. Gab es Probleme bei den Dreharbeiten?

Christian: Zur Genüge. Angefangen hat es schon am vierten Drehtag. Da stehst du mit etwa 20 freiwilligen Darstellern und Helfern schon um acht Uhr morgens am Set und wer fehlt? Die Hauptdarstellerin. Wir haben etwa zwei Stunden gewartet und nachdem ich sie nicht erreichen konnte, haben wir abgebrochen. Ich musste die Rolle danach neu besetzen. Anita Knappe war wirklich ein Glücksgriff, dass hat dem Film richtig gut getan. Das Filmmaterial vom ersten Drehtag mit der ursprünglichen Darstellerin konnte natürlich nicht mehr verwendet werden und wir mussten alles noch mal neu drehen.

CR Magazin: Wie ging es dann weiter?

Christian: Im Oktober 2013 habe ich aufgrund der vielen Probleme, die sich im Laufe der Zeit ergaben, die Dreharbeiten beendet. Ich wollte das Projekt eigentlich damals aufgeben, da ich schon so oft das Drehbuch, oft auch am Drehtag, ändern musste, sodass die Story bald überhaupt keinen Sinn mehr ergab.

CR Magazin: Warum hast du dann doch weitergemacht?

Christian: Weil ich eben nicht so schnell aufgebe. Ich habe über den Winter 2013 das Drehbuch in aller Ruhe überarbeitet und von April bis November 2014 haben wir den Film fertig gedreht. Aus heutiger Sicht wäre es aber besser gewesen das Projekt 2013 zu beenden.

CR Magazin: Wann war dann die Premiere?

Christian: Naja, es gab nicht wirklich eine Premiere, da der Film ja nirgendwo gezeigt wurde. Aber wir hatten im Oktober 2015 eine interne Vor­pre­mi­e­re im Hotel Böhlerstern. Mit etwa 300 geladenen Gästen.

CR Magazin: Was hast du von November 2014 bis Oktober 2015 getan? Der Film war ja schon gedreht.

Christian: Ja, die Dreharbeiten waren 2014 abgeschlossen, aber ein Film muss ja auch geschnitten, vertont und farblich korrigiert werden. Und in der post production war ich komplett allein. Bis auf den Ton, da hatte ich die große Unterstützung von Martin Mangold.

CR Magazin: Bevor wir zum Ende kommen, ich hätte da eine Idee.
Christian: Ich höre.

CR Magazin: Du sagst ja, dass »Kleinstadt« nie veröffentlicht worden ist. Auch wenn du von der Qualität deines Films nicht überzeugt bist, ich persönlich finde das schade.

Christian: Ich befürchte ich weiß, was du jetzt willst.

CR Magazin: »Kleinstadt« ist ja so etwas wie ein Episodenfilm. Was hältst du davon, wenn wir in den kommenden CR MAGAZIN Ausgaben immer eine Episode veröffentlichen.

Christian: Also …

CR Magazin: Natürlich wäre es schön, wenn du als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor immer einen Kommentar dazu abgibst und uns mit Hintergrundinformationen versorgst.

Christian: Hab ich überhaupt noch eine Chance Nein zu sagen?

CR Magazin: Gut, dann noch eine letzte Frage. Gibt es in deinem Film Nacktszenen? Denn es heißt ja Dirty Little Secrets?

Christian: Seltsam, das ist eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird.

CR Magazin: Ich habe den Film ja schon gesehen und es gibt ein paar sehr interessante Nude-Art Szenen, zu denen wir im Laufe dieser Serie noch kommen werden. Man darf also gespannt sein.